Damals saß mein Vater als Student der Veterinärmedizin in einem Hörsaal der Justus-Liebig-Universität in Gießen auf Backsteinen, kein Glas in den Fenstern, in Jacke und Schal gewickelt, und konzentrierte sich auf die, damals wie heute, umfangreichen und komplexen Lerninhalte. Das war direkt nach dem 2. Weltkrieg und damit noch gar nicht so lange her, gefühlt aber eine Ewigkeit.

Dr. Erwin Krafzel

Jahrzehnte später war ich ebenfalls Absolvent an derselben Uni und da hatte sich (natürlich) schon einiges getan: Wir durften auf Stühlen sitzen und hatten es warm, doch die Anforderungen an uns, um Tierarzt zu werden, waren die gleichen.

Bezeichnend für die Zeit, als ich auf dem Campus unterwegs war, waren die Entwicklungen in der Kleintiermedizin. So wurde zum Beispiel die Ultraschalldiagnostik des Bauchraumes und schließlich des Herzens „geboren“. Da wurde ganz viel untersucht, nochmals geschaut, verglichen, revidiert und dieses Verfahren schließlich als gut befunden. So entwickelten sich mit der Zeit die Diagnostik und Therapie für unsere Heim- und Kleintiere, überdies auch für Vögel und schließlich Reptilien/Exoten. Vor 30 Jahren wurden eigentlich nur Nutztiere behandelt. Mit den neuen Erkenntnissen traten auch Hunde und Katzen in den Fokus. Beim Federvieh war ein sogenannter Ziervogel, wie ein Wellensittich oder gar ein Papagei eher die Ausnahme und alle weiteren Tierarten kamen ebenfalls selten vor. Kleinsäuger (Kaninchen, Meerschweinchen und Mausartige) waren offensichtlich noch nicht so heimisch in deutschen Wohnzimmern.

Mein Vater stand dafür, dass wir als Tierärzte und Diagnostiker alles sehen, hören, ertasten, riechen und schmecken können müssen. Auch ich war anfangs der Meinung, dass das ausreicht, um helfen zu können. Doch ich musste mich überzeugen lassen: So ist die Labormedizin schon lange ein Muss und der Ultraschall ist nicht mehr aus unserer Diagnostik wegzudenken. Auch als Klinik haben wir uns durch die Anschaffung eines CT und eines MRT weiterentwickelt, um für Ihr Haustier noch mehr tun zu können. Stetig setzen wir uns ein up to date zu sein und damit Ihnen und Ihren Zwei- und Vierbeinern Bestes zu bieten.

Für mich bleibt die Mischung beider Methoden der richtige Weg. Wir müssen „fühlen und schmecken“ und die vorhandene Hightech sinnvoll einsetzen. So werden wir sicher auch nicht zu „Fachidioten“ mit Tunnelblick, sondern haben weiter den Patienten, Ihr Tier, im Auge. Und das immer und gerade vor dem Hintergrund, dass wir zwar unsere Haustiere fragen können, was ihnen fehlt, aber die Antwort nicht verstehen.

Ihre Ina Krafzel