Aber – ist das auch empfehlenswert für Hund und Katze?

In der heutigen Zeit beschäftigen sich immer mehr Menschen mit der Herkunft ihrer Nahrungsmittel und entscheiden sich bewusst, ihre Ernährung umzustellen und sich beispielsweise vegetarisch (also ohne tierisches Eiweiß) oder sogar vegan (ohne tierische Produkte) zu ernähren. Für den Menschen als „Allesfresser“ (Omnivore) ist dies eine mögliche Ernährungsform, wenn dabei einige Grundregeln hinsichtlich Vitamin- und Mineralstoffversorgung beachtet werden.

Vegetarische Ernährung – für Hund und Katze artgerecht?

Da unsere Haustiere heute wie Familienmitglieder eng mit uns in häuslicher Gemeinschaft leben, kommt schnell der Gedanke auf, auch ihnen die gleiche Ernährungsform zuteilwerden zu lassen. Aber ist dies artgerecht oder kann es zu Mangelernährung führen?

Hunde und Katzen sind Carnivoren

Zunächst muss man festhalten, dass Hund und Katze als sog. Fleischfresser (Carnivoren) auch nach vielen Jahrtausenden der Domestikation noch immer eine fleischhaltige Nahrung benötigen. Hierbei ist der Hund, obwohl sein Darmtrakt noch immer sehr dem Darm des Wolfs ähnelt, etwas flexibler in seiner Nahrungsauswahl als die Katze und wird daher als carni-omnivor bezeichnet. Dies kommt auch in der Form seiner Zähne zum Ausdruck, die schmale Kauflächen aufweisen und sich dadurch von denen der Katze unterscheiden.
Die Katze ist nach wie vor streng carnivor, also fleischfressend, denn sie benötigt beispielsweise die Aminosäure Taurin, fertig synthetisiertes Vitamin A und andere Mikronährstoffe, die nur in tierischen Geweben vorkommen.

Mögliche Mangelerscheinungen bei Katzen

Eine vegetarische Ernährung kann insbesondere bei Katzen nach einiger Zeit zu einer Mangelernährung führen, wenn nicht gezielt die richtigen Mengen an essentiellen Aminosäuren, Vitaminen und Mineralstoffen – wie z.B. Taurin, Arachidonsäure und Vitamin B12, Vitamin A, Vitamin D3, Kalzium, Phosphor, Natrium, Zink, Eisen und Kupfer, in Form von Nahrungsergänzungsmitteln zugefüttert werden. Zudem ist die Verdaulichkeit pflanzlicher Eiweiße meist schlechter als diejenige von Fleisch, das Gleiche gilt für die biologische Wertigkeit pflanzlicher Eiweiße, die in der Regel deutlich geringer ist als diejenige von tierischen Eiweißen.

Hunde sind nicht 100%ige Fleischfresser und vertragen auch einen Anteil vegetarischer Nahrung

Folgen der vegetarischen Ernährung bei Hunden

Eine vegetarische Ernährung wird von Hunden in der Regel noch toleriert, wohingegen bei Katzen recht bald typische Mangelerscheinungen auftreten können, die von Funktionsstörungen der Netzhaut der Augen, des Zentralen Nervensystems, des Immunsystems, der Fruchtbarkeit und der (embryonalen) Entwicklung bis hin zu Herzmuskelerkrankungen reichen. Bei Hunden sind oft eine mangelhafte Fellqualität, eine reduzierte Leistungsfähigkeit sowie Gelenk- und Hautprobleme Indikatoren für eine Mangelernährung.

Was sagt der Gesetzgeber dazu?

Das Tierschutzgesetz schreibt in §2 vor, dass Tierhalter die Tiere in ihrer Obhut ihrer Art und ihren Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen müssen. Somit ist eindeutig festgelegt, dass jegliche Art von Mangelernährung einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz bedeutet.

Und was empfehlen wir als Tierärzte?

Wir möchten hier unsere ganz klare Empfehlung aussprechen, Hunde und Katzen ihrer Natur entsprechend mit tierischem Eiweiß zu ernähren. Einzige Ausnahmesituation können Allergien oder fortgeschrittene Nierenerkrankungen mit der Notwendigkeit einer phosphatreduzierten Ernährung darstellen. In solchen Spezialfällen beraten wir Sie gern, auf welche hochwertigen Eiweiße man ausweichen kann.

Last, but not least: Auch eine Frage des Geschmacks!

Zum Abschluss sollte erwähnt werden, dass Hunden und Katzen fleischhaltige Nahrung deutlich besser schmeckt als Pflanzeneiweiß. Die höhere geschmackliche Akzeptanz stellt sicher, dass Ihr Tier die benötigten Futtermengen täglich zu sich nimmt. Unsere Haustiere wissen manchmal eben instinktiv, was gut für sie ist!