Was kann ich tun?

Erleidet der eigene Vierbeiner das erste Mal einen epileptischen Anfall, macht sich schnell Panik breit. Wie Sie richtig reagieren, wann ein Anfall zu einer lebensbedrohlichen Situation wird, wie wir in der Klinik zuverlässig eine Diagnose erstellen können und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt, das stellen wir Ihnen heute vor.

Krampfanfälle bei Hund und Katze verlaufen sehr individuell. Das gilt für die Art des Anfalls ebenso wie für Häufigkeit und Dauer. Bei einem epileptischen Anfall liegt das Tier meist auf der Seite, macht „Ruderbewegungen“ und krampft dabei. Es kann zu Maulklappern, Speicheln und unkontrolliertem Absetzen von Kot und Urin kommen. Zudem kann es sein, dass der Betroffene nicht mehr ansprechbar ist. 

Oft kündigt sich ein Anfall mit der sogenannten „Aura“ an. Die Tiere werden dann sehr anhänglich, folgen ihrem Besitzer auf Schritt und Tritt und suchen dessen Nähe. Anfälle können auch aus der Ruhe, meist nach dem Schlafen, auftreten. Hier zeigt das Tier zunächst keine Veränderung und der Krampf setzt plötzlich ein. 

Was tun?

Bewahren Sie vor allem Ruhe. Räumen Sie Gegenstände, an denen sich Ihr Liebling verletzen könnte, zur Seite und dunkeln Sie den Raum ab. Sprechen Sie beruhigend mit Ihrem Schützling. Bei Krämpfen der Kaumuskulatur am besten ein Beißholz oder Ähnliches zwischen die Zähne schieben, damit sich der Anfallspatient nicht auf die Zunge beißt. Doch schützen Sie sich dabei unbedingt selbst vor Verletzung. Wenn möglich, nehmen Sie den Krampfanfall als Video per Smartphone für den behandelnden Arzt auf.

„Status epilepticus“

Von einem Status epilepticus spricht man, wenn ein Krampfanfall zu einer lebensbedrohlichen Situation führt. Dauert der Krampf länger an, sollten Sie Folgendes tun: 

  • Wenn möglich, die Temperatur rektal messen. Bei hoher oder schnell steigender Körpertemperatur, spätestens bei 39,8 °C, SOFORT in die Klinik kommen. Durch die Muskelkontraktion steigt die Körpertemperatur an. Die Folge: Überhitzung der Eiweiße im Körper, unter anderem im Gehirn. 
  • Bei Anfällen, die länger als 3 Minuten andauern, SOFORT in die Klinik kommen! 
  • Wichtig: Vergessen Sie bitte auch in einer solchen Notsituation nicht, uns vorher telefonisch zu informieren. Nur so können wir uns entsprechend auf den Notfall vorbereiten. Das spart im Ernstfall kostbare Zeit!

Nach einer neurologischen Untersuchung verabreichen wir Ihrem Liebling zunächst ein Beruhigungsmittel, um die Verkrampfung zu lösen. Erreicht der Patient dennoch einen Status epilepticus, nehmen wir ihn zur engmaschigen Überwachung und Krampfkontrolle stationär auf.

Auch wenn Ihr Tier „nur“ die leichtere Form eines Anfalls hat und sich schnell wieder erholt, sollten Sie einen Termin bei uns vereinbaren, um die Ursache zu klären. Weitere Anfälle können unbehandelt mit der Zeit stärker werden und häufiger auftreten. Daher ignorieren Sie auch scheinbar harmlose Anfälle bitte auf keinen Fall!

Zu Ihrem neurologischen Termin bringen Sie bitte Folgendes mit:

  • Unterlagen bisheriger Untersuchungen (Blutergebnisse,  Ultraschall-, CT- sowie MRT-Bilder).
  • Stammbaum des Hundes oder Informationen über bekannte Anfälle bzw. Erkrankungen in der Familie des Tieres.
  • Falls vorhanden Videoaufnahme des Anfalls.

Diagnostik

Krampfanfälle können verschiedene Ursachen haben. Man unterscheidet in erster Linie zwischen drei Gruppen:

1. Stoffwechselproblematik. Unterfunktionen der Schilddrüse, der Leber, der Nieren oder eine Erkrankung der Bauchspeicheldrüse können zu Krampfanfällen führen. Zunächst führen wir im Kliniklabor Blutuntersuchungen durch. Zeigen sich Hinweise auf eine Erkrankung der inneren Organe, werden weitere Blutwerte wie die Konzentration von Ammoniak, Gallensäure oder Insulin getestet. Zur bildgebenden Diagnostik führen wir, falls nötig, eine Computertomographie der Leber mit Kontrastmittel durch. Um ein vollständiges Bild der inneren Organe zu erhalten, empfehlen wir in jedem Fall eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraums.

2. Herz-Kreislauf-Problematik. Zur Untersuchung der Herzfunktion führen wir einen Herzultraschall und gegebenenfalls ein (Dauer-) EKG durch.

3. Das Gehirn. Konnten weder eine Stoffwechsel- noch eine Herz-Kreislauf-Problematik festgestellt werden, wird die Ursache im Gehirn gesucht. Dafür ist eine MRT-Untersuchung erforderlich, um Veränderungen in der Gehirnstruktur und des Gehirnwasserleitsystems erkennen zu können. Diese dauert circa 1,5 Stunden und findet unter überwachter Vollnarkose statt, da Ihr Liebling absolut still liegen muss. Um eine Veränderung von Zellen und des Eiweißgehalts erkennen zu können, untersuchen wir zusätzlich das Gehirnwasser.

Therapie

In der Regel werden unsere Patienten mit Medikamenten therapiert. Auch eine Futterumstellung kann manchmal wahre Wunder wirken.

Konnten wir bei der Diagnostik keine Ursache feststellen, spricht man von der „idiopathischen Epilepsie“. Auch wenn wir die genaue Ursache nicht kennen, wissen wir, dass irgendetwas im zentralen Nervensystem das Gehirn dazu veranlasst, unkontrollierte Nervenströme auszusenden. Diese verursachen den epileptischen Krampfanfall des Tieres. Keine Angst, auch in diesem Falle ist eine Therapie möglich. Mit der Gabe von Antiepileptika können die Anfälle Ihres Lieblings verhindert werden. 

Die Diagnostik und die Einstellung der richtigen Medikamentendosis erfordern in vielen Fällen Geduld. Doch dann steht einem langen und glücklichen weiteren Leben nichts mehr im Wege.