Wir Menschen gehen regelmäßig, idealerweise zweimal pro Jahr zum Zahnarzt und zur professionellen Zahnreinigung. Wir pflegen unsere Zähne, indem wir sie zweimal täglich putzen.
Aber was ist mit unseren vierbeinigen Freunden?

Das Gebiss von Hunden und Katzen

Hunde besitzen 42 bleibende Zähne, Katzen 30. Wie beim Menschen werden auch Welpen zahnlos geboren, etwas später kommen die ersten Milchzähne und mit ca. 5 bis 6 Monaten beginnt der Zahnwechsel.
Von Anfang an sind die Zähne unserer Vierbeiner permanent im Einsatz. Sie dienen natürlich zum Zerkleinern von Nahrung, aber gerade bei Hunden auch dazu, um auf Spielzeug herumzukauen, Bälle zu zerbeißen – und natürlich für die Fellpflege. Damit dies alles sehr lange uneingeschränkt möglich ist, sollten die Zähne gepflegt und (wenn machbar) sogar geputzt werden.

Zahnbeläge und Zahnstein

Allerdings kann auch eine regelmäßige Zahnpflege die Bildung von Zahnbelägen und Zahnstein bei Hund und Katze nicht vollständig verhindern. Dabei spielt ein mit Bakterien besiedelter Biofilm auf den Zähnen eine entscheidende Rolle, denn aus diesem bildet sich durch Calciumeinlagerungen letztendlich Zahnstein. Dieser Zahnstein lässt sich durch einfaches Zähneputzen aufgrund seiner harten Konsistenz nicht entfernen. Zudem kommt es häufig zu einer begleitenden Entzündungsreaktion am Zahnfleisch (Gingivitis). Wie beim Menschen können sich hier ebenfalls Zahnfleischtaschen ausbilden, in denen sich Futterreste und Bakterien ansammeln. In der weiteren Folge können sich Läsionen am Zahnhalteapparat (Parodontitis) bis hin zu Schäden am Kieferknochen ausbilden, so dass Zahnverlust droht.
Insbesondere bei schlechter Zahnpflege, reduziertem Allgemeinbefinden und/oder einer systemischen Erkrankung ist das Immunsystem nicht in der Lage, den äußeren Einwirkungen in der Maulhöhle adäquat zu begegnen, so dass sich die beschriebenen Veränderungen sowie vermehrt Zahnstein ausbilden können. Daher gehört zu dem Blick in die Maulhöhle immer ein ganzheitlicher Blick auf das Tier.

Die professionelle Zahnreinigung

Bei der professionellen Zahnreinigung spielen die Narkose und auch die Lagerung des Patienten eine große Rolle. Nach dem Legen eines venösen Zuganges und der Einleitung der Narkose erfolgen die Intubation und die Inhalationsnarkose. So wird verhindert, dass bakteriell belastete Flüssigkeit während der Zahnreinigung in die Lunge gelangt. Außerdem kann die Narkose auf diese Weise bestmöglich gesteuert und überwacht werden.
Der Zahnstein wird (wie beim Menschen) per Ultraschall entfernt. Da die hohen Töne von Hunden und Katzen wesentlich intensiver wahrgenommen werden, ist eine Ultraschall-Behandlung in wachem Zustand nicht durchführbar. Je nach Ausprägungsgrad des Zahnsteins kann der Zahn selbst oft erst nach seiner Freilegung in seiner Substanz wirklich beurteilt werden. Manchmal ergeben sich so nach der Reinigung noch Extraktionen, die vorher nicht ersichtlich waren.
Abschließend werden die Zähne poliert, damit eine glatte Oberfläche nicht gleich wieder Ansatz für neue Beläge liefert.

Weiterführende Untersuchungen

Um Schäden an den Wurzeln oder am Zahnhalteapparat zu erkennen, ist eine dentale Röntgenuntersuchung zu empfehlen. Gerade bei Katzen mit der Erkrankung „FORL“ (Feline odontoklastische resorptive Läsionen) zeigen sich diese Läsionen oftmals erst mittels bildgebender Diagnostik.

Rechts im Bild: Überlange Inzisivi bei einer Wüstenrennmaus

Das Gebiss von Nagetieren wie Kaninchen, Meerschweinchen, Hamstern und Co.

Bei Nagetieren wachsen sämtliche Zähne zeitlebens nach und reiben sich optimalerweise beim Nagen kontinuierlich gegenseitig ab. Durch Fehlstellungen, aber auch durch zu energiereiche Nahrung kann dieser Abrieb fehlen und die Zähne werden übermäßig lang. Häufig bleibt es in solchen Fällen nicht bei einer Fehlstellung der Schneidezähne, sondern die Backenzähne sind ebenso betroffen. Diese können in der Maulhöhle aufeinander zu wachsen und dabei eine Art Brücke bilden, die in der Folge die Beweglichkeit der Zunge massiv einschränkt. Da Schlucken ohne bewegliche Zunge nahezu unmöglich ist, kann dieser Zustand für den Nager schnell zu einer lebensbedrohlichen Situation werden. Leider leiden diese kleinen Vierbeiner still und zeigen ihre gesundheitliche Beeinträchtigung nicht deutlich. Daher ist es unbedingt erforderlich, die Maulhöhle bei Kaninchen und anderen Nagetieren regelmäßig zu kontrollieren und ggf. eine Zahnkorrektur beim Tierarzt vornehmen zu lassen. Sollten Meerschweinchen oder Kaninchen die Nahrungsaufnahme einstellen oder vermindern, ist Eile geboten, da der empfindliche Verdauungstrakt und Stoffwechsel der Nager dies nicht lange verkraften.

Gesunde Zähne sind auch beim Vierbeiner lebenswichtig! Wir beraten Sie gerne bzgl. möglicher Prophylaxe, Zahnreinigung und auch Zahnkorrektur.